Warum ich plötzlich wieder wie ein Anfänger fliege

Die große Illusion

Ich gebe es zu: Ich hatte eine naive Vorstellung. Ich dachte, wenn ich den „spielzeugartigen“ Xbox-Controller gegen eine präzise Radiomaster Zorro tausche, würde ich sofort besser fliegen. Ich dachte, die besseren Hall-Sensor-Gimbals würden mich magisch stabilisieren und meine Kurven wie auf Schienen ziehen lassen.

Gestern Abend habe ich die Zorro zum ersten Mal für eine volle Session im Simulator verbunden. Voller Vorfreude lud ich meine gewohnte Map („Campground Freestyle“). Ich startete die Motoren. Ich hob ab. Und drei Sekunden später hing ich im ersten Baum.

Der „Drunken Monkey“ Stil

Was war passiert? Mit dem Xbox-Controller war mein Flugstil grob, aber stabil. Das Gamepad hat viel „verziehen“. Es hat große Totzonen (Deadzones) in der Mitte, wo kleine Zitterer ignoriert werden.

Die Zorro verzeiht nichts. Sie ist brutal ehrlich. Jedes mikroskopische Zittern meines Daumens, jede noch so kleine Unsicherheit im Zeigefinger (Pinch-Griff) wird direkt an die Drohne übertragen.

Das Ergebnis: Ich flog nicht wie ein Pilot, sondern wie ein betrunkener Affe. Ich überkorrigierte ständig.

  • Drohne kippt leicht nach links -> Ich steuere panisch gegen -> Drohne schießt nach rechts.
  • Ich will die Höhe korrigieren -> Ich gebe zu viel Gas -> Drohne schießt in den Himmel.

Es fühlte sich an, als würde ich versuchen, auf einer Nadelspitze zu balancieren.

Das Throttle-Management (oder dessen Abwesenheit)

Das größte Problem war jedoch, was ich schon befürchtet hatte: Der linke Stick (Throttle/Gas). Beim Xbox-Controller konnte ich den Stick einfach loslassen, wenn es brenzlig wurde. Er sprang in die Mitte, die Drohne hoverte (mehr oder weniger).

Jetzt? Wenn ich loslasse, fällt die Drohne wie ein Stein vom Himmel (wenn der Stick unten ist) oder bleibt auf Vollgas hängen. Ich musste lernen, meinen Finger permanent mikroskopisch genau anzupassen, nur um die Höhe zu halten. Mein Gehirn war so sehr damit beschäftigt, nicht abzustürzen, dass an saubere Kurven gar nicht zu denken war.

Der Pinch-Krampf

Dazu kam der neue Pinch-Griff. Nach 20 Minuten tat mir die Hand weh. Meine Muskeln sind diese Haltung nicht gewohnt. Es fühlte sich verkrampft an, ich wusste nicht, wo ich meine restlichen Finger (Ring- und kleiner Finger) lassen sollte, um die Funke stabil zu halten. Ich war kurz davor, aus Frust wieder nur die Daumen zu benutzen, habe mich aber gezwungen, durchzuhalten.

Fazit: Willkommen im „Dip“

Am Ende der Session war ich frustriert. Meine Rundenzeiten waren schlechter als letzte Woche. Ich bin öfter gecrasht als an meinem ersten Tag mit der Goldberg-Drohne.

Aber ich habe verstanden, was hier passiert. In der Lernpsychologie nennt man das „The Dip“. Wenn man eine Technik fundamental umstellt (neues Werkzeug, neuer Griff), wird man erst einmal schlechter, bevor man besser wird. Der Xbox-Controller war ein stumpfes Messer – man kann sich nicht schneiden, aber auch nicht präzise schnitzen. Die Zorro ist ein Skalpell. Ich habe mich heute geschnitten. Aber wenn ich lerne, es zu führen, werde ich Dinge tun können, die mit dem stumpfen Messer nie möglich gewesen wären.

Ab heute heißt es: Muskelgedächtnis neu schreiben.

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