Der Kulturschock
Der Karton ist endlich angekommen. Ich habe ihn geöffnet, die Radiomaster Zorro herausgenommen – und war im ersten Moment schlichtweg überwältigt.
Das hier ist kein Controller mehr. Das ist ein Instrument. Überall sind Schalter, Rädchen und Buttons. Das Gerät hat ein eigenes Betriebssystem (EdgeTX), das mich beim ersten Einschalten mit Menüs begrüßte, von denen ich 90% noch gar nicht verstehe. Wer vom simplen Xbox-Gamepad kommt, fühlt sich hier wie jemand, der vom Dreirad direkt ins Cockpit eines Jets gesetzt wird.
Das Gefühl: Sensibel und ungewohnt
Das erste „Trockenüben“ fühlte sich total fremd an. Das Offensichtlichste zuerst: Der Throttle-Stick (Gas) springt nicht in die Mitte zurück. Er bleibt unten, oder wo auch immer man ihn hinschiebt. Das wusste ich theoretisch, aber es physisch zu spüren, ist etwas ganz anderes.
Viel krasser war jedoch die Sensibilität. Die Hall-Sensor-Gimbals der Zorro sind butterweich und reagieren auf den Millimeter. Dagegen wirkten die Xbox-Sticks wie eingerostete Hebel.

Die Griff-Krise: Thumb vs. Pinch
Genau diese Präzision führte zu meinem ersten großen Problem. Auf dem Gamepad habe ich immer nur die Daumen benutzt (Thumb-Grip). Das fühlte sich natürlich an. Auf der Zorro fühlte sich mein Daumen plötzlich grobmotorisch und unsicher an. Ich hatte keine feine Kontrolle über diese empfindlichen Sticks.
Ich wusste aus meinen Recherchen, dass es im FPV im Wesentlichen drei Griff-Arten gibt:
- Thumb: Nur die Daumen (wie beim Gaming).
- Pinch: Daumen und Zeigefinger „zwicken“ den Stick.
- Hybrid / Semi-Pinch: Eine Mischung aus beidem.
Es fühlt sich zwar an, als würde ich mir die Finger verknoten, aber ich habe mich entschieden, mich an den Pinch-Griff zu gewöhnen. Es gibt mir mehr Stabilität, auch wenn es sich aktuell noch extrem unnatürlich anfühlt.
Alles auf Anfang?
Bedeutet das, mein Training mit dem Xbox-Controller war umsonst? Nein. Das Verständnis für die Physik und die Abläufe im Simulator ist da. Aber die motorische Reise, das Muskelgedächtnis für die Steuerung, geht mit diesem neuen Controller quasi nochmal von vorne los.
Keep it Simple: Setup und Verbindung
Angesichts der tausend Möglichkeiten dieser Funke habe ich eine bewusste Entscheidung getroffen: Keep it simple. Ich habe mich nicht in den Tiefen der Mixing-Einstellungen oder Lua-Scripte verloren. Mein Ziel war nur: Einschalten und mit dem PC verbinden.
Ich habe kurz das USB-Kabel getestet, bin aber sofort auf Bluetooth gewechselt. Die Zorro kann sich kabellos als Joystick verbinden. Das ist mein absoluter Favorit – keine Kabel auf dem Schreibtisch, pure Freiheit. Mehr Setup brauche ich erst einmal nicht. Jetzt heißt es: Pinch-Griff üben und nicht verzweifeln.



