Der Auslöser: Ein Dive ins Ungewisse
Es begann, wie so viele moderne Hobbys beginnen: mit einem YouTube-Short. Ich sah ein Video von Scrayzor FPV, in dem eine Drohne einen dicht bewachsenen Vulkanberg hinab dive’t. Die Geschwindigkeit, die Nähe zu den Bäumen, dieses Gefühl von absolutem Freifall – es hat mich sofort getriggert.
In diesem Moment wirkte FPV (First Person View) auf mich wie ein unmögliches Universum. Da waren Begriffe wie Goggles, Radios, Betaflight und Video-Systeme, von denen ich noch nie gehört hatte. Ich hatte keinen Plan, keine Ahnung von der Technik und erst recht keine Ausrüstung. Alles, was ich hatte, war diese plötzliche, naive Neugier: „Wie schwer kann das schon sein?“
Das Setup: Staub statt High-Tech
Statt direkt hunderte Euro für Equipment zu verbrennen, entschied ich mich für die Low-Budget-Variante: Simulator. Aber womit steuern? Ich kramte in einer alten Schublade und zog ihn hervor: einen Xbox 360 Controller.
Er lag dort jahrelang ungenutzt. Das weiße Plastik war inzwischen leicht vergilbt, in den Rillen saß der graue Staub vergangener Gaming-Sessions, und die Sticks fühlten sich etwas ausgeleiert an. Kein High-End-Radio, keine Präzision, einfach nur ein altes Gamepad. Ich dachte: Für den Anfang wird’s reichen.
Juli 2025: Der Aufprall der Realität
Motiviert kaufte ich mir „Uncrashed FPV Simulator„ auf Steam. Installation, Start, Controller anschließen. Ich wählte eine Map, gab Gas – und crashte.
Okay, normal. Neuer Versuch. Gas. Crash. Gas. Die Drohne schoss unkontrolliert in den Himmel. Crash.
Die ersten Minuten waren nicht nur schwierig, sie waren überwältigend. Nichts machte Sinn. Die Drohne reagierte völlig unerwartet und hektisch. Ich versuchte gegenzusteuern, aber jede Bewegung am Stick führte nur zu noch mehr Chaos. Es fühlte sich an, als würde ich versuchen, ein Stück Seife mit nassen Händen zu balancieren – während ich auf einem Einrad fahre.
Der Frustpegel stieg sekündlich. Nach einer halben Stunde starrte ich auf den Bildschirm, den vergilbten Controller in der Hand, und dachte genau diesen einen Satz:
„Wenn sich FPV so anfühlt … dann ist es vielleicht nichts für mich.“
Ich stand kurz davor, den Simulator zu deinstallieren und das Thema FPV als „zu hoch für mich“ abzuhaken. Aber irgendetwas – vielleicht war es das Bild vom Mountain-Dive in meinem Kopf – hielt mich davon ab. Ich beschloss, dem Ganzen noch eine Chance zu geben. Nur nicht heute.
Juli 2025: Der „Klick“-Moment
Neuer Tag, neuer Simulator. Ich lud mir den „The Drone Racing League Simulator„ herunter, in der Hoffnung, dass ein anderes Programm vielleicht zugänglicher wäre. Trotzdem startete ich mit einer gehörigen Portion Angst vor der nächsten Enttäuschung.
Ich startete das Tutorial. Ich bewegte den linken Stick vorsichtig nach vorne. Die Drohne hob ab. Sie blieb in der Luft. Ich steuerte nach links. Sie flog nach links.
Es hat Klick gemacht.
Innerhalb von Minuten konnte ich abheben und hovern. Die Steuerung fühlte sich plötzlich logisch an, nachvollziehbar. Das Gefühl von „alles ist random“ war weg. Zum ersten Mal hatte ich echte Kontrolle. Der Gedanke schlug um von „unmöglich“ zu: “It is possible to fly.”

Die Analyse: Warum der Controller das Problem war
Erst Wochen später verstand ich wirklich, was an diesen zwei Tagen passiert war. Es lag nicht daran, dass Uncrashed ein schlechter Simulator ist oder DRL magische Physik hat. Es lag an meinem Input-Device.
Ein Xbox-Controller hat Sticks, die sich automatisch zentrieren (Center = Mitte). Eine echte FPV-Funke hat einen Throttle-Stick, der dort bleibt, wo man ihn schiebt (unten = 0%, Mitte = 50%, oben = 100%).
In Uncrashed bedeutete das Loslassen des Sticks: Der Wert springt auf 50% Throttle. Für eine leistungsstarke FPV-Drohne ist das genug Schub, um sofort nach oben zu schießen. Ich kämpfte also gar nicht gegen die Physik, sondern gegen die Feder in meinem Gamepad. DRL hingegen schien zu erkennen, dass ich ein Gamepad nutze, und interpretierte die Mitte anders (oder hatte eine stärkere Assistenz), sodass ich bei „Center“ nicht sofort in die Stratosphäre geschossen wurde.

Fazit: Learning to Fail
Dieser holprige Start hat mir die vielleicht wichtigste Lektion für dieses Hobby gleich zu Beginn beigebracht: FPV bedeutet nicht, Talent zu haben. Es bedeutet, herauszufinden, warum etwas nicht funktioniert, und sich anzupassen.
Hätte ich am 7. Juli aufgegeben, hätte ich nie erfahren, dass es nur an einer kleinen Stick-Einstellung lag. Der Weg zum Mountain-Dive ist noch weit, aber zumindest bin ich jetzt Einsatzbereit – mit vergilbtem Controller und neuer Motivation.



